Steuer-Tipps für Freelancer

Wahrscheinlich haben Sie das auch erlebt: Erfolgreich registriert bei der diva-e Textprovider GmbH und nun füllen Sie Ihr Profil aus. Alles ganz easy: Kontaktdaten, Interessen, beruflicher Werdegang – aber dann: Umsatzsteuerberechtigung vs. Kleinunternehmerregelung?! Und selbst wenn Sie hier schon Klarheit besitzen, tauchen die nächsten Fragezeichen auf, wenn es um die verschiedenen Umsatzsteuersätze bei der Differenzierung zwischen Autoren- und Lektorentätigkeiten geht.

7% vs. 19% – Licht im Dunkel der gesetzlichen Regelungen

Ehrlicherweise sind auch wir oftmals überfordert, wenn freiberufliche Mitarbeiter Fragen zu steuerrechtlichen Themen stellen. Und zwar zu Recht. Denn die Antworten beziehen sich nicht allein auf die Tätigkeit bei der diva-e Textprovider GmbH, sondern sind von der Gesamtsituation der/des Fragenden abhängig.

Von Kleinunternehmern und Freiberuflern …

Bin ich Umsatzsteuerberechtigt oder nicht?
Ob Sie unter die Kleinunternehmer-Regelung (§ 19 UStG) fallen, hängt von Ihrem Jahresumsatz ab – aktuell liegt hier die Grenze bei 17.500 Euro.

Muss ich für eine Tätigkeit bei der diva-e Textprovider GmbH ein Gewerbe anmelden?
Nicht zwangsläufig. In § 18 EStG sind die Katalog-Tätigkeiten aufgeführt, bei denen Sie als Freiberufler kein Gewerbe anmelden (und damit auch keine Gewerbesteuer zahlen) müssen. Bei „neuen“ Berufen oder gemischten Tätigkeiten ist das aber etwas diffiziler…

Unser Tipp:

Lieber einmal zu viel bei Steuerberater, Steuer-Experten oder Finanzamt nachfragen.

Wichtig:

Alle Einnahmen sind steuerpflichtig – und somit müssen Sie Ihre Einkünfte bei der diva-e Textprovider GmbH entsprechend angeben. Entscheidend für Ihre Steuerlast ist die Summe aller Einkünfte, hier ist der Steuergrundfreibetrag entscheidend (§32a EStG).

7 vs. 19 % Umsatzsteuer?!

Unterschiedliche Sätze für Autoren und Lektoren bei der diva-e Textprovider GmbH – Sie fragen: Was soll das? Wir antworten: Wir sind unschuldig!

Tatsächlich ist es so, dass die Differenzierung (Autoren: 7%, Lektoren: 19%) vom Finanzamt Bochum aufgrund einer unterschiedlichen Bewertung der Schöpfungshöhe/-tiefe festgelegt worden ist. Bei kreativen Tätigkeiten – z. B. dem Schreiben eines Textes – gilt der verminderte Steuersatz von 7%. Komplizierter ausgedrückt: Ermäßigte Umsatzsteuer für „Einräumung, Übertragung und Wahrnehmung urheberrechtlicher Schutzrechte“ (§ 12 Abs. 2 Nr. 7 Buchstabe c UStG). Wer aber – wie der Lektor – nicht Urheber des kreativen Outputs ist, für den gilt der Regelsteuersatz von 19%.

Exkurs in die Wirren der Umsatzsteuer

Wieso überhaupt diese Unterschiede – und warum reden wir mal von Umsatzsteuer, mal von Mehrwertsteuer?

Vorab: Umsatzsteuer und Mehrwertsteuer bezeichnen das Gleiche – nur von zwei Seiten betrachtet. Wer selbst Umsatz macht (der Geschäftstätige), der spricht von der Umsatzsteuer, die er in seinen Rechnungen ausweist und zugleich wieder abführen muss. Als Konsument bin ich von der Mehrwertsteuer betroffen: Beim Einkauf werden auf den Nettowert 7% oder 19% Mehrwertsteuer aufgeschlagen. Wenn ich als Geschäftstätige/r etwas kaufe, kann ich die Differenz zwischen Brutto und Netto steuerrechtlich wieder geltend machen.

Die beiden Steuersätze haben ihren Ursprung im Jahre 1968 mit Einführung des Mehrwertsteuersystems: Damit die Grundversorgung auch für Geringverdiener gesichert sei, wurde der ermäßigte Steuersatz von 7% für Güter des lebensnotwendigen Bedarfs eingeführt. Dabei gelten auch Kultur (z. B. Bücher), die Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs sowie Sport zum Grundbedarf.

Doch was einst mit lobenswertem Ansatz eingeführt wurde, hat heutzutage seltsame Auswüchse:

  • Reitpferde werden mit 7% versteuert, der Goldfisch aber mit 19%.

Hintergrund: Während das Pferd theoretisch als Lebensmittel verzehrt werden könnte, gilt der Goldfisch als Hobby.

  • Obst wird mit 7% versteuert – Obstsaft mit 19%.

Hintergrund: Da Agrarprodukte subventioniert sind, erhalten sie ein Steuerprivileg – die veränderte Verarbeitung durchs Pressen löst den höheren Steuersatz aus.

  • Süßigkeiten und Knabbereien gehören zur Grundversorgung – ebenso wie Wachteleier und Gänseleber. Letztere finden wir in der Luxusabteilung des Supermarktes.
  • Mineralwasser ebenso wie Sojamilch (im Kontrast zu „normaler Milch“) werden mit 19% versteuert – Wasser trinken wird bestraft? Und die Grundversorgung für Laktose-Allergiker ist ebenfalls nicht gewährleistet.

Mittlerweile reicht §12 UStG nicht mehr aus – und selbst umfassende Dokumentationen als Hilfestellung für Finanzbeamte lassen noch so viele Fragen offen, dass diese vor dem Finanzgericht entschieden werden.